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Der Preis für einen Hund ist ein gebrochenes Herz.

29. Sept.
6 Min. Lesezeit

Danke an (moin.matze) für diesen Gedankenanstoß🙏🏻


Heute vor 6 Monaten durfte ich dich nach Hause gehen lassen - mein über alles geliebter Seelenhund!


Und vielleicht ist das tatsächlich der einzige Preis, über den niemand spricht, bevor so ein Fellknäuel bei uns einzieht. Wir informieren uns über die Rasse, wir lesen uns ein, welches Futter gut ist, welche Leine wir kaufen und ob eine Hundeschule sinnvoll ist. Wir überlegen,  welches Körbchen es sein soll und wo es künftig zu stehen hat, kaufen Näpfe, Spielzeug und Dinge, von denen wir im Vorfeld nicht einmal wussten, dass ein Hund sie angeblich dringend braucht.

Wir lernen ziemlich schnell, dass Haare künftig überall sind und ich meine, wirklich überall. Dass frisch gewischte Böden offensichtlich nur eine Einladung für nasse Pfoten sind und dass ein Hund keinerlei Verständnis dafür hat, dass Sonntagmorgen um sechs vielleicht nicht der  perfekte Zeitpunkt für einen ausgedehnten Spaziergang ist.

Wir gehen raus bei Regen, Schnee, Wind und Temperaturen, bei denen wir uns ohne Hund freiwillig keinen Zentimeter von der Couch bewegt hätten.

Wir lernen etwas über Erziehung, Körpersprache, Futter, Gesundheit und darüber, wie unfassbar lange ein Hund einen Grashalm untersuchen kann, während wir daneben stehen und genervt auf die Uhr schauen und denken: “Echt jetzt”? Es ist nur Gras?"


Aber auf eines bereitet dich niemand vor…………


.............darauf, dass wir irgendwann nach Hause kommen und niemand mehr angerannt kommt, wenn die Haustür aufgeht. Dass irgendwann der Napf stehen bleibt und die Leine still an ihrem Platz hängt. Dass wir seine Tapsen nicht mehr auf dem Boden hören. Dass dieser eine Blick fehlt, der keine großen Worte braucht und trotzdem immer sagt: Ach, da bist du ja endlich. Kein aufforderndes Bellen mehr, weil es endlich nach draußen geht und man offensichtlich wieder einmal viel zu langsam ist. 

Kein Hund mehr, der entscheidet, dass mein linkes Bein der einzig akzeptable Schlafplatz auf dem Sofa ist und ich mich gefälligst für die nächsten Stunden nicht mehr zu bewegen habe.

Keine wilde Aufregung mehr, wenn möglichst viele Spielsachen gleichzeitig ins Maul müssen, obwohl vollkommen klar ist, dass sie niemals alle hineinpassen werden.


Und genau aus all diesen Gründen tut es so verdammt weh!


Weil ein Hund eben nie “ nur ein Hund” ist.

Nicht, wenn man ihn wirklich in sein Leben gelassen hat.

Er wird Familie, Begleiter, Alltag, Seelentröster, Nervensäge, Komplize, Schatten und Clown, manchmal auch zur Wärmeflasche, zum Zuhörer und Aufpasser. Und manchmal wahrscheinlich der einzige im Raum, der längst begriffen hat, wie es uns wirklich geht, während wir selbst noch behaupten:

 “ Alles gut.”

Ein Hund kennt unsere schönen Tag und eben auch die beschissenen. Er kennt die Tage, an denen wir stark sind, lachen und das Leben feiern.Und er kennt die anderen Tage, die, an denen wir zweifeln, verzweifeln, weinen oder einfach nur dasitzen und keine Ahnung haben, wie es weitergehen soll.

Und das verrückte daran ist: Ihm ist völlig egal, welche Version von uns gerade vor ihm sitzt! Er bewertet dich nicht nach deinem Erfolg, er interessiert sich nicht dafür, ob wir genug geleistet haben und er möchte keine Erklärung dafür, warum wir traurig sind oder warum wir uns gerade so blöd verhalten. Er fragt nicht, ob wir besonders klug, hübsch, produktiv oder beeindruckend waren. ER ist einfach DA!

Vielleicht ist genau das eine der größten Formen von Liebe, die wir in unserem Leben wieder kennenlernen dürfen.

Dieses schlichte: „Du bist da und das reicht.“


Und irgendwann kommt dieser eine Tag, auf den einen niemand vorbereiten kann.


Dieser Tag, an dem aus diesem selbstverständlichen “WIR” plötzlich wieder ein “ ICH” wird. Und mit einem Mal versteht man, dass man all die Jahre etwas bekommen hat, dessen Wert sich überhaupt nicht berechnen lässt. Man versteht es nur leider erst genau in dem Moment besonders deutlich, in dem man es körperlich nicht mehr festhalten kann.

Vielleicht ist ein gebrochenes Herz deshalb tatsächlich der Preis dafür, einen Hund wirklich geliebt zu haben?!

Und ehrlich, wenn ich wählen könnte, hätte ich lieber meinen “Seelenhund” behalten und auf das gebrochene Herz verzichtet. Aber so funktioniert es nunmal nicht.

Von meinem Coach habe ich gelernt, Bibo, ändere deinen Blickwinkel:


“Ein gebrochenes Herz, ist immer auch ein offenes Herz!”


Wenn mich heute jemand fragen würde, ob ich diesen Schmerz vermeiden möchte, wenn ich dafür all die Jahre mit Henry zurückgeben müsste, wäre meine Antwort ohne eine einzige Sekunde zu überlegen:

Nein. Niemals. Dann nehme ich lieber diesen Schmerz und all die Tränen, diese Momente, in denen mir mitten am Tag die Brust eng wird, weil mich irgendeine Kleinigkeit an Henry erinnert. Ich nehme die Leere, die an manchen Tagen unerträglich laut wird, dass ich kaum glauben kann, dass ein einziges Wesen so viel Raum hinterlassen kann. Ich nehme sogar die Tage mit, an denen ich denke, dass ich inzwischen doch”weiter” sein müsste, was auch immer dieses ominöse Weiter bei TRAUER eigentlich bedeuten soll?

Denn der Preis für all das waren dreizehn Jahre Henry’s Liebe. Und die würde ich für nichts auf dieser Welt eintauschen.

Und genau das ist das Verrückte an Trauer:


Dass in ihr immer zwei Dinge gleichzeitig wohnen können.

Da ist dieses “weinende Auge”, das Henry zurückhaben möchte, noch einmal seine Pfoten hören möchte, nur noch einmal dieses vertraute Gewicht neben mir spüren, nur nochmal seine Duft riechen möchte ,noch einmal erleben möchte, wie er sich an mein linkes Bein lehnt, als hätte er persönlich beschlossen, dass genau dort sein Platz auf dieser Welt ist.

Und dann ist inzwischen auch mal das “andere Auge”.

Das "lachende" das sich erinnert und Bilder sieht, bei denen ich grinsen muss; Henry mit einem 2 Meter Stock im Maul, der alle Spaziergänger mit einmal umnietet, mit Karotten in den Vorderpfoten laut schmatzend, mit hektischen Bewegungen, weil nicht alle Spielsachen in’s Maul passen. Henry mit diesem Gesichtsausdruck, bei dem völlig klar war, dass selbstverständlich ich das Problem war und niemals er. Henry, der mich gelehrt hat, dass Nähe manchmal einfach bedeutet, sich neben jemanden zu legen und zu bleiben.


Und vielleicht darf Trauer genau SO SEIN?. 


Nicht “entweder oder”, sondern 

“SOWOHL ALS AUCH”!

Weinen, weil jemand fehlt, und lachen, weil er da war.


Und vielleicht ist das der Moment, in dem Liebe ihre Form verändert.

Sie verschwindet nicht, sie zieht nur um.


Vor einiger Zeit habe ich dazu Worte gelesen, die mich seitdem nicht mehr loslassen:

„Hunde sterben nicht. Sie können das gar nicht, weil sie nicht wissen, wie das geht. Sie legen sich in deinem Herzen schlafen.

Am Anfang sind sie dort noch sehr oft wach. Sie freuen sich wie verrückt darüber, so nah bei dir zu sein und diesen warmen Platz in deinem Herzen bekommen zu haben. Und dann kann es passieren, dass deine Brust plötzlich schmerzt und du weinen musst.

Mit der Zeit werden diese Momente weniger. Denn wenn sie einmal in deinem Herzen eingeschlafen sind, schlafen sie irgendwann länger und länger.

Und deshalb denke daran: Wenn du wegen deines geliebten Hundes plötzlich weinen musst und dir die Brust wehtut, dann ist er vielleicht gerade wieder wach geworden und veranstaltet in deinem Herzen einen kleinen Freudentanz, weil er dort für immer bleiben darf.“ >> Silvia.Bieber<<


Und weisst du was?

Ich mag diesen Gedanken sogar sehr. Denn dann weiß ich für mich, was an diesen Tagen passiert, an denen es mir plötzlich und ohne Vorwarnung die Tränen in die Augen treibt.

Da ist Henry wach, macht Party und räumt in meinem Herz  gerade alles um.

Schleppt sämtliche Spielsachen gleichzeitig durch mein Herz, versucht wieder, fünf Spielsachen auf einmal ins Maul zu bekommen, verteilt ein bisschen Chaos, sucht nach einer Karotte und wundert sich anschließend darüber, warum ich schon wieder weine.


Typisch Henry und für mich ein wunderschöner Gedanke!


Aus diesem Gedanken heraus, habe ich fast ein bisschen Mitleid mit den Menschen, die keinen schlafenden Hund in ihrem Herzen tragen.

Denn ja, der Preis für einen geliebten Hund ist irgendwann ein gebrochenes Herz. Aber wenn ich zurückblicke auf all die Jahre, auf diesen unglaublichen kleinen Kerl, auf unsere Geschichte, auf unser gemeinsames Leben und auf diese ganz besondere Liebe und Verbindung, dann weiß ich heute:

Ich würde diesen Preis sofort wieder bezahlen. 

Manche Pfotenabdrücke verschwinden eben nie.

Danke, Henry.


Für all Deine Liebe, für jedes Haar auf meinen Klamotten, für jede dreckige Pfote, für jeden Blick von Dir, für jeden Trost, für jedes Mal, an dem du dich an mein linkes Bein gedrückt hast, für jedes Lachen, dass du mir entlockt hast.

Für jeden einzelnen ganz normalen Tag, von dem ich damals nicht wusste, dass ich ihn irgendwann schmerzlich vermissen würde.

Und vor allem danke ich dir dafür, dass ich durch dich erfahren durfte, wie sich bedingungslose Liebe anfühlt.


Mein Herz ist heute an einer Stelle gebrochen, an der vorher dein Platz war.

Und genau das ist nun meine Wahrheit:

Dein Platz ist gar nicht leer, du liegst jetzt nur woanders.

Schlaf gut, mein Bube.

Und wenn du zwischendurch wach wirst, mach ruhig ein bisschen Krach.

Dann weiß ich wenigstens:

Du bist noch da. ❤️


In dankbarer Erinnerung und Liebe an Dich, für immer( Aug 2013 - März 2026)

Deine “ Seelen - Mama” Bibo



 
 
 

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